Teaser: „Medizinischer Fortschritt fasziniert, weil er immer wieder Grenzen verschiebt. Auch Künstliche Intelligenz eröffnet neue Möglichkeiten. Grundlage für all das ist Wissenschaft: die Bereitschaft, Annahmen empirisch zu prüfen und vermeintliche Gewissheiten immer wieder infrage zu stellen.
Mit Wissen wächst die Möglichkeit zu handeln und damit auch die Frage nach einer grundlegenden Ethik. Ethische Reflexionen und moralische Grundlagen sind Teil des wissenschaftlichen Erkenntnisprozesses. Sie sind wesentlich bei der Orientierung zur Frage in welcher Welt wir leben sollen und wie? Eine Frage, die (Natur-)Wissenschaft allein nicht beantworten kann.
Fortschritt braucht Verbindlichkeit – Der medizinische Fortschritt stellt dabei grundlegende Anfragen an das menschliche Selbstverständnis – insbesondere in den letzten 50 Jahren. So veränderten Palliativ- und Transplantationsmedizin unser Verständnis von Leben und Tod. Pränataldiagnostik, Reproduktionsmedizin und Leihmutterschaft berühren Grenzen am Beginn des Lebens und unser Verständnis von Elternschaft. Fortschritt kann unser Menschenbild und die Regeln des Zusammenlebens ändern. Doch neue Erkenntnisse verlangen neue Bewertungen. Verbindlichkeit entsteht aber nur, wenn Argumente nachvollziehbar sind und Veränderungen offen begründet werden. Dabei wird die Notwendigkeit einer Priorisierung von Werten, aber auch deren Grenzen deutlich. Wo wissenschaftliche Befunde strategisch ausgewählt, emotionalisiert oder eigenen Interessen angepasst werden, gehen Wahrhaftigkeit und Orientierung verloren.“
