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Pressemitteilungen

DGIV-Bootcamp 2023

Die Deutsche Gesellschaft für Integrierte Versorgung e.V. (DGIV) hat am 28. November 2023 ihr drittes Bootcamp mit zahlreichen Studenten/Auszubildenden und Young Professionals in Berlin erfolgreich durchgeführt. Mit unseren drei wunderbaren Referenten und Referentinnen – Elke Ruppert, Dr. Christian Grah und Dr. Dr. Christian M. Schulz – haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über Umwelt und Gesundheit diskutiert und anschließend in drei Gruppen Thesen zu den folgenden drei Themen formuliert, die dann beim Thesenslam präsentiert wurden:

1.     Nachhaltige Gesundheitsversorgung & Finanzierung

2.     Nachhaltiges Krankenhaus

3.     Ressourcenschonung im Gesundheitssektor

Die drei Thesenpapiere finden Sie im Anhang.

Wir haben uns sehr über den regen Austausch gefreut und freuen uns auf das nächste Mal!

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20. Bundeskongress der Deutschen Gesellschaft für Integrierte Versorgung (DGIV)/Prof. Dr. Eckhard Nagel „Wir brauchen dringend eine umfassende Versorgungsreform“

(Berlin) – Die Deutsche Gesellschaft für Integrierte Versorgung im Gesundheitswesen (DGIV) hat sich besorgt über den aktuellen Reformstillstand gezeigt. Es dürfe nicht sein, dass Patientinnen und Patienten noch länger auf eine Umgestaltung des Gesundheitssystems warten müssten, die sich an den jeweils angemessenen Behandlungspfaden orientiert, so der allgemeine Tenor der zahlreichen Versorgungsprofis aus allen Bereichen des Gesundheitssystems beim 20. DGIV-Bundeskongress am Mittwoch in Berlin. „Wir brauchen diesen Umbau nicht nur für eine effiziente und effektive Patientenversorgung“, ergänzt der DGIV-Vorstandsvorsitzende Prof. Dr. mult. Eckhard Nagel, „wir müssen auch dringend die Situation beenden, dass wir die hohe intrinsische Motivation der tausenden Gesundheitsprofis weiter zerreiben, weil offensichtlich nicht das Patientenwohl im Mittelpunkt des Systems steht, sondern Regulatorik und Partikularinteressen.“ Der Weg in ein System, das sich konsequent am Versorgungsbedarf von Patientinnen und Patienten orientiere, sei daher aus vielen Perspektiven mehr als überfällig.

In diesem Zusammenhang sei es ein Lichtblick, dass die Bundesregierung endlich den Bereich zwischen den Sektoren ambulant und stationär einer Neugestaltung unterziehe. „Viele DGIV-Mitglieder versuchen buchstäblich seit Jahren, hier neue, versorgungsadäquate Impulse zu setzen. Einige dieser Ideen finden sich jetzt tatsächlich auch in den aktuell diskutierten Reform-Ideen wieder,“ so Nagel. Allerdings werde es auf dem jetzigen Weg nicht gelingen, endlich auch zu einer Vereinfachung der Regelungen an der Schnittstelle von ambulant und stationär zu kommen. „Wir sehen mit großer Sorge, dass augenscheinlich keiner der bisherigen Paragraphen wegfallen wird, sondern das im Gegenteil insbesondere der § 115 SGB V immer weitere Verlängerungen und Differenzierungen erfahre. „Wer soll das noch lesen, verstehen und umsetzen?“, fragt sich der Arzt und Transplantationsmediziner Nagel. „Die Akteure wollen Menschen versorgen, nicht Rechtswissenschaften studieren!“ Viel wichtiger als noch weitere Paragrafen sei die Entrümpelung der Regulatorik und die Umkehr der Systematik, so dass integrierte Versorgung nicht mehr die kleinteilig geregelte Ausnahme sei, sondern die Regel. „Dafür brauchen wir einen grundsätzliche Paradigmen- und Perspektivwechsel in der Rechtssystematik, von dem ich weit und breit nichts erkennen kann“ betont der DGIV-Vorstandvorsitzende.

Lichtblicke zeigten sich allenfalls in den beiden Digital-Gesetzen, die die Bundesregierung vorgelegt und umgesetzt habe. „Auch hier hat die DGIV mit einem Papier auf breiter Dialoggrundlage schon vor der Bundestagswahl Ideen und Forderungen in die politische Diskussion eingebracht, von denen sich jetzt erstaunlich Vieles in der Gesetzgebung wiederfindet“, so Nagels erfreute Analyse. Jetzt müsse allerdings umso akribischer darauf geachtet werden, dass die entsprechende Digitalgesetzgebung sich in der Praxis bewähren könne und dass nicht überzogene Datenschutzbedenken eine wirksame Forschung sowie die präventive und koordinierte Patientenversorgung wieder zunichte machten.

In einem dem Kongress vorgeschaltetem „BootCamp“ erarbeiteten 20 Young Professionals Thesen zur nachhaltigen Etablierung eines Gesundheitssystems, das den wachsenden Anforderungen an Klimaschutz und Ressourcenschonung gerecht wird. „Das war eine sehr lebhafte Runde, die bis spät in die Nacht zusammengesessen hat, um ihre Gedanken zu einem nachhaltigen Gesundheitssystem der Zukunft zu Papier zu bringen“, betonte BootCamp-Leiterin und DGIV-Vorstandsmitglied Prof. Dr. Clarissa Kurscheid. Integrierte Versorgung müsse sich – umfassend gedacht – natürlich auch dem komplexen Zusammenhängen zwischen Umwelt, Klima und Gesundheit stellen, so Prof. Kurscheid. Hier habe das Bootcamp einmal mehr gezeigt, dass die Ideen des Nachwuchses dringend in die zukünftige Systemgestaltung einbezogen werden müssten.

„2023 – Aufbruch gelungen?“ Einladung zum 20. DGIV- Bundeskongress am 28./29. November in Berlin

Berlin – Am 29. November 2023 findet unter dem Titel „2023 – Aufbruch gelungen?“ der 20. Bundeskongress der Deutschen Gesellschaft für Integrierte Versorgung im Gesundheitswesen e.V. (DGIV) im Berliner Hotel Aquino statt. Im Fokus stehen dabei zentrale Fragen zur aktuellen politischen Lage: Gelingt es der Ampel-Regierung, ihre beabsichtigten Ziele noch innerhalb dieser Legislaturperiode zu erreichen? Können strukturelle Veränderungen im Gesundheitssystem und eine Modernisierung der SGB V realisiert werden? Diese und weitere essenzielle Themen der integrierten Versorgung werden beim DGIV-Bundeskongress intensiv und ergebnisorientiert diskutiert.

Die Veranstaltungsschwerpunkte und -themen des diesjährigen Kongresses werden eine breite Palette von relevanten Bereichen umfassen:

  • Kommunale Versorgung denken – kommunale Versorgung realisieren: Hemmnisse und Katalysatoren
  • Telemedizin – ein enorm bedeutender Baustein für die medizinische Versorgung der Zukunft
  • Gesundheitsberufe
  • Level 1i Krankenhaus
  • Schlaganfallnachsorge zwischen SGB V, SGB IX und SGB XI

 

Bereits am 28. November 2023 startet der DGIV-Bundeskongress mit einem „Bootcamp“ für Young Professionals und Studierende, das zum dritten Mal stattfindet. Hier werden Thesen zum Thema „Umwelt und Gesundheit“ erarbeitet, die auch in die Diskussionen des Hauptkongresstages einfließen werden.

Interessierte können sich für den Kongress über die folgende Webseite anmelden: https://dgiv.org/event/20-dgiv-bundeskongress/

Pressevertreter können sich direkt mit der DGIV in Verbindung setzen unter: akhaladze@dgiv.org

DGIV und _fbeta legen gemeinsames Positionspapier „Integrierte Versorgung 5.0“ vor „Digitalisierung ist der wichtigste Baustein für Integration und Nachhaltigkeit“

(Berlin) – Die _fbeta GmbH und die Deutsche Gesellschaft für Integrierte Versorgung im Gesundheits-wesen e.V. (DGIV) haben ein gemeinsames Positionspapier „Integrierte Versorgung 5.0“ vorgelegt. Das knapp 40-seitige Dokument basiert auf einer mehrteiligen Diskussionsreihe, die im Jahr 2022 in offenem Dialog mit Expertinnen und Experten aus den Bereichen Selbstver-waltung, Pflege, IT-Industrie und Politik durchgeführt wurde. Ziel dieser Initiative war es, gemeinsame Zielbilder für die weitere Entwicklung der Integrierten Versorgung zu entwerfen, Handlungsfelder zu identifizieren und wichtige Empfehlungen für Entscheidungsträger zu formulieren. Dabei baut das Papier auf verschiedenen Entwicklungsstufen der Integrierten Versorgung (IV) auf: von den ersten selektivvertraglichen Anfängen bis hin zur digitalen Integration und zu Konzepten von Nachhaltigkeit und Gesundheit, die IV-Konzepte in Zukunft stärker bestimmen werden.

„Das Papier ‚Integrierte Versorgung 5.0‘ leistet einen wichtigen Beitrag zu einer patientenzentrierten, sektorenübergreifenden und interprofessionellen nachhaltigen Hybridversorgung“, so der Generalsekretär der DGIV, Dr. Michael Meyer. Das sei auch dringend notwendig, „denn angesichts des Fachkräftemangels und der Veränderungen im medizinischen Angebot entspricht eine in Sektoren und Berufsgruppen getrennte Versorgung längst nicht mehr dem Bedarf der Patienten und der Professionen“, betont Meyer. Die geplante Krankenhausreform und die vorgelegten Digitalisierungsgesetze könnten hier einen wichtigen Beitrag leisten, indem sie die Grundlage für neue und umfassend integrierte Versorgungsstrukturen schafften. „Um die Vision einer integrierten Versorgung 5.0 zu verwirklichen, bedarf es einer gemeinsamen Vision und einer konkreten, entschlossenen Gesetzgebung“, so der Appell des DGIV-Generalsekretärs.

Karsten Knöppler, Geschäftsführer der _fbeta GmbH ergänzt: „Die Digitalisierung eröffnet die Möglichkeiten sektorenübergreifender Versorgungsangebote und Behandlungspfade. Gleichzeitig erfordert dies auch sektorübergreifende Versorgungs- und Strukturplanung. Wir können so endlich eine Versorgung sicherstellen, die sich mit umfassend integrierten Ansätzen vor allem an Ergebnisqualität orientiert.“ Voraussetzung dafür sei allerdings ein grundlegender Perspektivwechsel weg von der Versorgung von Krankheit über getrennte Sektoren und Einzelleistungen hin zu einer integrierten nachhaltigen Gesundheitsförderung aus der Sicht der Patienten. Realisierbar werde sie in einem digitalen Ökosystem, dass mittels Plattformlösungen für Prävention und Versorgung ausgestaltet und orchestriert werden kann, betont Knöppler.

„DGIV und _fbeta sehen ihr Positionspapier als Blaupause, um auf digitaler Grundlage bislang getrennte Versorgungs- und Vergütungsstrukturen zu überwinden und damit einen grundlegenden Systemwechsel im Gesundheitswesen voranzutreiben“, so Knöppler. „Die lang ersehnte sektorenübergreifende, den Patienten integrierende Versorgung und die Abbildung einer bruchlosen Patient Journey, die wir seit langem fordern, können nun Realität werden.“ An diese Hoffnung knüpft auch der DGIV-Vorstandsvorsitzende an: „Sowohl im gesundheitspolitischen Umfeld der Hauptstadt als auch in den Ländern wünsche ich den Überlegungen von _fbeta und DGIV eine engagierte Rezeption“, so Prof. Nagel abschließend.

 

Das Positionspapier „Integrierte Versorgung 5.0“ ist abrufbar unter: https://fbeta.de/integrierte-versorgung-5-0/

Deutsche Gesellschaft für Integrierte Versorgung begrüßt Regelungen für 1i-Krankenhäuser DGIV-Vorsitzender Eckhard Nagel: „Ein wichtiger Baustein zur flächendeckenden Verbindung der Sektoren“

Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Integrierte Versorgung im Gesundheitswesen e.V. (DGIV) begrüßt die Regelungen zu sogenannten „Level 1i-Krankenhäusern“, wie sie jetzt aus den Eckpunkten zur Krankenhausreform erkennbar wird. „Natürlich müssen wir noch das finale Reformgesetz abwarten, aber mit der nun zwischen Bund und Ländern konsentierten Etablierung einer sektorenübergreifenden Versorgungsebene werden wichtige Forderungen und Anregungen der DGIV erfüllt“, so der DGIV-Vorstandsvorsitzende Prof. Dr. mult. Eckhard Nagel. Wichtig sei nun vor allem eine möglichst lückenlose Verknüpfung mit den Potentialen und Angeboten vertragsärztlichen Versorgung.

Nagel wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass im Zuge der Reform auch über Vereinfachungen im SGB V nachgedacht werden müsse: „Wir haben etwa dreißig Paragraphen, die alle mit eher geringen Erfolgen die Sektorengrenze adressieren; es ist nun dringend an der Zeit, nicht – wie auch bereits unter Minister Lauterbach – weitere Paragraphen und Regelungen der Gesetzlichen Krankenversicherung hinzuzufügen, sondern auch über Verschlankungen des Paragraphendschungels nachzudenken.“ Es könne nicht sein, dass sinnvolle Versorgungskonzepte eher von Juristen und Steuerberatern geschrieben werden müssten, als von Ärztinnen, Ärzten und anderen Angehörigen medizinischer und pflegerischer Heilberufe. „In den nun vorgelegten Ideen – deren Grundzüge vielfach auch auf Anregungen aus dem DGIV-Mitgliederkreis zurückgehen – sehen wir gute Grundlagen, mit integrierten Angeboten grundsätzlich neue Ansätze für eine bessere Versorgung insbesondere chronischer Patientinnen und Patienten zu realisieren“, so Nagel. Wichtig sei nun jedoch, auch die digitale Integration und Verknüpfung der Sektoren zügig voranzutreiben.

Ein weiterer Blick müsse aber darüber hinaus auf die Integration der Landkreise und Kommunen in die zukünftige Planung gerichtet werden. „Wir sehen die Herausforderungen, die sich für die Kommunalpolitik aus einer Mitverantwortung für eine flächendeckende Versorgung ergeben, wir sind aber überzeugt, dass vor allem der noch anstehende Schulterschluss mit der Langzeit- und Altenpflege nicht geleistet werden kann, wenn nicht auch die Kommunalstrukturen stärker für eine Planung der Gesundheitsversorgung vor Ort befähigt und finanziell ausgestattet werden“, so die Überzeugung Prof. Nagels. Die DGIV werde hier sich hier noch in diesem Jahr mit einem Papier zu Wort melden, um auch an dieser Stelle die Versorgung weiter zu verbessern.

„Insgesamt“, so der DGIV-Vorstandsvorsitzende, „sind wir aber mit den nun vorgelegten Eckpunkten doch noch auf einen guten Weg eingeschwenkt, der diverse Anknüpfungspunkte adressiert, um einer ambulant-stationären Versorgung flächendeckend zu einem dringend erforderlichen Durchbruch zu verhelfen.“

DGIV bedauert erneute Verschiebung der Eckpunkte zur Krankenhausreform Vorstandsvorsitzender Nagel: „Fehlende Kompromisslinien gefährden Patient:innen, fehlende Entscheidungen die Existenz von Krankenhäusern“

Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Integrierte Versorgung im Gesundheitswesen e.V. (DGIV) hat sich enttäuscht zur erneuten Verschiebung der Eckpunkte zur Krankenhausreform geäußert. „Die bisherige Arbeit der Kommission und der bislang vorliegende Entwurf für Eckpunkte zeigen vor allem in der Idee der 1i-Krankenhäuser große Potentiale in der besonders aus Patientenperspektive zwingend notwendigen Verknüpfung von stationärer und ambulanter Versorgung und wird von daher von der DGIV ausdrücklich begrüßt“, so der DGIV-Vorstandsvorsitzende Prof. Dr. mult. Eckhard Nagel. Eine erneute Verschiebung sei schon vor diesem Hintergrund sehr bedauerlich. Gerade eine neue Versorgungsidee brauche Zeit, um gut abgewogen beschlossen zu werden. „Wir können und sollten uns an der Schnittstelle zwischen ambulant und stationär keine permanente Verweigerung von Weiterentwicklungen mehr leisten“, so Nagels Überzeugung.

In diesem Zusammenhang sei es auch sehr bedenklich, dass die Potentiale der vertragsärztlichen Versorgung im Zuge dieser Neuordnung an der Sektorengrenze bislang kaum in den Blick genommen würden. „Alle Modelle zur ambulant-stationären Hybridversorgung sollten nicht nur vom stationären in den ambulanten Bereich gedacht und geplant werden, sondern unbedingt auch in der Gegenrichtung“, so der Appell des DGIV-Vorstandsvorsitzenden. Je größer der Reformdruck aufgrund der verrinnenden Zeit werde, desto schwieriger werde es jedoch, die Häuser des Levels 1i als echten Paradigmenwechsel in der Versorgung zu erkennen und die Rahmenbedingungen dafür entsprechend ausgewogen zu konzipieren. „Wir machen uns gerade um diese neuen Chancen für notwendige ambulant-stationäre Versorgungansätze große Sorgen“, betont Nagel.

Nagel wies darauf hin, dass es inzwischen eine Vielzahl solcher Modelle als Blaupausen für eine rasche Gesetzgebung gebe: „Krankenkassen, Vertreter der Leistungserbringer, aber auch Universitäten und engagierte Wissenschaftler in verschiedenen Unternehmen legen buchstäblich seit Jahren immer wieder neue und im Kern weitgehend übereinstimmende Vorschläge für sinnvolle ‚Hybridversorger‘ an der Schnittstelle zwischen ambulant und stationär vor,“ erläutert der DGIV-Chef und betont dabei auch die aktive Beteiligung vieler DGIV-Mitglieder an diesem Entwicklungsprozess. Es sei bedauerlich und auch riskant, jetzt erneute Verzögerungen konstatieren zu müssen, die letztlich in diesem sehr wichtigen und grundsätzlich neuen Versorgungsfeld unausgegorene Schnellschüsse zu Folge haben könnten. „Wir würden uns freuen, wenn eine parlamentarische Diskussion endlich beginnen könnte! Mit der erneuten Verschiebung werden die Beratungen zu diesem wichtigen Feld in die Hinterzimmer der parlamentarischen Sommerpause verschoben“, so das Bedauern Nagels, der befürchtet: „Eine fehlende Kompromissbereitschaft bei strittigen Fragen gefährdet konkret die Patientenversorgung und fehlende Entscheidungen die Existenz vieler Krankenhäuser in ihrer prekären Situation“.

Deutsche Gesellschaft für Integrierte Versorgung (DGIV) auf dem Hauptstadtkongress: „Intersektoral, interprofessionell, interdisziplinär denken und handeln“

Berlin – Auch in diesem Jahr ist die Deutsche Gesellschaft für Integrierte Versorgung im Gesundheitswesen e.V. (DGIV) auf dem Hauptstadtkongress aktiv und präsentiert sich und ihre Mitglieder mit verschiedenen Veranstaltungen und einem eigenen Stand.

„Wir schätzen den Hauptstadtkongress als einen bedeutenden Treffpunkt für Entscheidungsträger aus Politik, Kliniken, Gesundheitswirtschaft, Ärzteschaft, Pflege, Forschung und Kostenträgern“, so der DGIV-Generalsekretär Dr. Michael Meyer. „Da hier gemeinsam Zukunftsvisionen für das Gesundheitswesen entwickelt und konkretisiert werden, darf die DGIV natürlich nicht fehlen.“ Aus Sicht der DGIV verdient in diesem Jahr der Umbau der Krankenhauslandschaft und die mögliche Verknüpfung zwischen ambulanter und stationärer Versorgung in Häusern des Levels 1i eine besondere Beleuchtung. Die DGIV wird zusammen mit rund 20 Mitglieds- und Partner-Organisationen auf dem Kongress vertreten sein.

Hervorzuheben ist vor allem das DGIV-Symposium am 15. Juni von 11:30 Uhr bis 13:00 Uhr zum Thema „Bundespolitische Weichenstellungen in der Gesundheitspolitik und Umsetzungsoptionen vor Ort“. Zu den Teilnehmern des Symposiums gehören Prof. Dr. Tom Bschor (BMG, Regierungskommission Krankenhäuser), Dr. Jens Schick (Sana Kliniken AG), Dr. Daisy Hünefeld (St. Franziskus-Stiftung Münster) und Prof. Dr. mult. Eckhard Nagel (Universität Bayreuth). Die Moderation des Panels übernimmt Sophia Wagner, Partner beim iX-Institut für Gesundheitssystem-Entwicklung.

Zusätzlich sind Frühstücks- und Mittagsrunden geplant, in denen DGIV-Mitglieder besondere Aspekte der digitalen Versorgung diskutieren: Am 14. Juni von 13:30 Uhr bis 14:30 Uhr wird die Chiesi GmbH über das neue Forum für Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen, die WeACT Con 2023, berichten. Am 15. Juni von 8:30 Uhr bis 9:30 Uhr wird die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe eine Frühstücksrunde zum Thema Innovation und Patientenlotsen abhalten. Am 16. Juni wird die Workday GmbH in der gleichen Zeitspanne die zweite Frühstücksrunde zum Thema “New Work“ durchführen.

Am Freitag, 16. Juni, wird die fBeta GmbH von 09:30 Uhr bis 10:30 Uhr gemeinsam mit der DGIV ein Positionspapier mit dem Titel „Integrierte Versorgung 5.0: Management & Strukturplanung – Kontext, Zielbild & Strukturplanung“ vorstellen. Direkt im Anschluss daran wird die DGIV sich am NDGR-Gemeinschaftsstand präsentieren und sich an einem Panel über die gemeinsamen Aktivitäten im Bereich der regionale Gesundheitsversorgung beteiligen.

Weite Teile des DGIV-Vorstands werden darüber hinaus auf diversen Podien auftreten, vor allem aber auch persönlich am 14. Juni von 14:30 Uhr bis 15:30 Uhr am DGIV-Kongressstand anzutreffen sein. „Es ist uns natürlich Ehre und Verpflichtung zugleich, uns an diesem zentralen Ereignis der gesundheitspolitischen Diskussion beteiligen zu können“, so der DGIV-Vorstandsvorsitzende, Prof. Dr. mult. Eckhard Nagel.

Mehr für Gesundheit wagen: Ein Aufruf zur Regionalisierung der Versorgung von AdA, BMC, DGIV und NDGR

Alle Akteure im Gesundheitswesen müssen dem großen Interesse in der Bevölkerung nachkommen und besser funktionierende sowie sozial gerechte Angebote für die Gesunderhaltung, Heilung und Pflege schaffen. Der Bundesverband der Arzt-, Praxis- und Gesundheitsnetze e.V. (AdA), der Bundesverband Managed Care e.V. (BMC), die Deutsche Gesellschaft für Integrierte Versorgung im Gesundheitswesen e.V. (DGIV) sowie das Netzwerk Deutsche GesundheitsRegionen e.V. (NDGR) rufen gemeinsam zur Stärkung regionaler Initiativen im Gesundheitswesen auf. Mit ihrer Aufforderung machen sie sich dafür stark, Regionalisierung als Chance für mehr Gesundheit und gesicherte Versorgung zu begreifen.

Die vier Verbände machen auf die Notwendigkeit von besser funktionierenden und sozial gerechten Angeboten für die Gesunderhaltung, Heilung und Pflege für die Bevölkerung aufmerksam. Es sei dringend notwendig, zukunftsfähige und nachhaltige Strukturen aufzubauen, um die Leistungsfähigkeit des Gesundheitswesens dauerhaft sicherzustellen. In ihrem Aufruf verleihen sie ihrer Überzeugung Nachdruck, dass  dezentrale und flexible Lösungen vor Ort große Möglichkeiten bieten, für die Gesundheit der Bevölkerung mehr zu wagen. Dafür müssen noch in diesem Jahr die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen werden. Statt einheitlicher Strukturvorgaben brauche es regionale Gestaltungsfreiräume, die in hohem Maße sektoren-, disziplinen- und SGB- übergreifende Zusammenarbeit vorsehen. Auch sollten alle Akteure partizipativ in die Entwicklung von Versorgungslösungen eingebunden werden, um Wege zu schaffen, mit denen die regionale Ebene umfassend, schnell und datenschutzkonform auf regionale und lokale Daten zum Versorgungsgeschehen zurückgreifen kann.

Zu diesem Thema treten AdA, BMC, DGIV und NDGR auch beim Hauptstadtkongress vom 14. bis 16. Juni 2023 in Berlin u.a. auf dem NDGR-Gemeinschaftsstand gemeinsam in den Dialog.

DGIV-Bootcamp 2022

Die Deutsche Gesellschaft für Integrierte Versorgung e.V. (DGIV) hat am 28. November 2022 ihr zweites Bootcamp mit zahlreichen Studenten/Auszubildenden und Young Professionals in Berlin erfolgreich durchgeführt. Mit unseren drei wunderbaren Referenten und Referentinnen – Claudia Czernik, Christine Vogler und Dr. Ilias Tsimpoulis – haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über Gesundheitscampus, intersektionale und interprofessionelle Zusammenarbeit sowie Gesundheitsberufe und Führungskultur diskutiert und anschließend in drei Gruppen Thesen zu den folgenden drei Themen formuliert, die dann beim Thesenslam präsentiert wurden:

1.     Infrastruktur – welche Elemente muss Campus integrieren?

2.     Führungskultur und Verantwortung

3.     Interprofessionelle Ausbildung/Studium/Neue Berufe

Die drei Thesenpapiere finden Sie im Anhang.

Wir haben uns sehr über den regen Austausch gefreut und freuen uns auf das nächste Mal!

Ärztenachrichtendienst: Lundershausen: „Versorgung wie bisher ist in Zukunftnicht mehr leistbar“

Sei es bei der Vergütung oder der Digitalisierung: Der massive Reformbedarf im Gesundheitswesen ist nach einem Jahr Ampelkoalition nicht kleiner geworden. Darin zeigten sich Vertreter von Wissenschaft, Industrie und Selbstverwaltung am Dienstag einig. Kammerchefin Lundershausen forderte daher wenigstens mehr Ehrlichkeit von der Politik.

„Vielleicht müsste man den Menschen auch mal sagen, dass Versorgung, so wie sie in der Vergangenheit war, zumindest mit den Strukturen, die wir haben, in Zukunft nicht mehr zu leisten sein wird“, sagte Dr. Ellen Lundershausen aus dem Bundesärztekammer-Vorstand beim Bundeskongress der Deutschen Gesellschaft für Integrierte Versorgung. Der eklatante Fachkräftemangel in allen Bereichen der Medizin sei bekannt. Es werde zwar von mehr Studienplätzen gesprochen, passiere aber wenig.

Auch bei der Krankenhausplanung beklagte Lundershausen eine Stagnation. Da warte der Bund ab, was Länderwahlen bringen würden. Sie kritisierte, dass die Selbstverwaltung zu wenig in die Reformvorhaben eingebunden werde. „Wir würden uns gern mehr einbringen, aber wir werden nicht gefragt“, sagte sie. Auch diese Kritik eint derzeit die Akteure.

DGIV fordert umfassende Vergütungsreform

 „Die Probleme sind adressiert, aber sie sind nicht in die Umsetzung gekommen.“ So lautet das Fazit von DGIV-Chef Professor Eckhart Nagel nach einem Jahr Ampelkoalition. Das erste Jahr einer Legislatur sei das Entscheidende. Daher betrachte auch die DGIV mit Unverständnis und Sorge betrachtet, wie sich Reformpläne konkretisieren und dass man das nur aus Papieren erfahre, sagte Nagel.

Für besonders dringend hält die DGIV eine umfassende Vergütungsreform. Dies sollte nicht nur im Krankenhaus gelten. Auch in der ambulanten Versorgung würden GOÄ und EBM das Geleistete nicht abbilden. Es fehle ein integriertes und einheitliches Vergütungssystem über alle Versorgungsbereiche hinweg. Auch die Vergütung in der Heil- und Hilfsmittelversorgung sei nicht sinnvoll geregelt, so die DGIV. Die Reform dürfe nicht an Sektorengrenzen halt machen. Statt sporadischer Interventionen fordert die DGIV ein klares Zielbild und Planungssicherheit. Die aktuellen Maßnahmen seien jedoch in keinerlei erkennbares Gesamtkonzept eingebettet.

Kassen und Kliniken sehen vertane Chancen

 Daniela Teichert vom Vorstand der AOK Nordost forderte vom Gesetzgeber einen Rahmen, der den Akteuren vor Ort Gestaltungsfreiheit lasse. „Wir wünschen uns, dass regionale Versorgungsplanung durch die Partner möglich ist und keine zentrale Regelung kommt“, sagte sie. Auch ihr fehlen bisher die großen Würfe. „Die stehen auch noch nicht auf der Agenda“, meint die Kassenchefin. Alle Punkte seien benannt, würden aber bisher nicht angegangen.

Dr. Gerald Gaß, Vorsitzender der Deutschen Krankenhausgesellschaft vertrat zwar die Auffassung, dass die Krankenhäuser zurecht im Fokus der aktuellen Reformen stehen würden, stimmte aber in die Generalkritik ein: „Das erste Jahr ist aus unserer Sicht eher enttäuschend, weil eine Vielzahl von Chancen nicht genutzt wurde.“ So seien Chancen zur Gestaltung der Ambulantisierung vertan worden, weil DKG und KBV zu Beginn des Jahres in Fragen der „ein Stück weit zusammengerückt“ waren. „Da hat es eine Annäherung gegeben, die der

Politik nicht hätte entgehen dürfen. Aber das ist passiert, weil Minister Lauterbach kein Zutrauen zur Selbstverwaltung hat“, sagte Gaß. Stattdessen habe er eine Regierungskommission gegründet, die „maximal intransparent hinter verschlossenen Türen“ agiere. Das sei verlorene Zeit und der Protest der Länder vorprogrammiert, weil sie nicht einbezogen würden. „Dann fangen wir bei der nächsten Bundestagswahl wieder von vorne an“, sagte Gaß. Diese Zeit habe man aber nicht mehr.

Stillstand in der Digitalisierung?

Auch in der Digitalisierung sei das vergangene Jahr ein vertanes Jahr, kritisierte Dr. Georg Münzenrieder aus dem Bayerischen Staatsgesundheitsministerium. „Die Mehrwerte kommen nicht an. Sie werden nicht gesehen, weder bei den Leistungserbringern noch bei den Bürgerinnen und Bürgern.“ Für sich betrachtet brächten die einzelnen Elemente ePA oder eRezept wenig. „Der Mehrwert ergibt sich aus dem Zusammenspiel. Dazu muss das System sicher laufen und das tut es im Moment noch nicht.“

Münzenrieder forderte eine Diskussion darüber, ob es analog zum Krankenhauszukunftsgesetz ein Praxiszukunftsgesetz geben müsse. Dringend nötig sei für die Digitalisierung ein einheitlicher Rahmen, der fachliche, technische und organisatorische Aspekte zusammenführe. Ob diese Digitalagentur die Gematik sein könne, müsse ebenfalls geprüft werden. zumindest müsse sie einen anderen Namen erhalten.

Eine „digitale Pause“ hat auch Dr. Eckhard Oesterhoff von Philips Deutschland nach dem Regierungswechsel beobachtet. „Im Formulieren von Zielstellungen sind wir gut, aber im Tun eben nicht“, sagte er. Enttäuscht zeigte er sich auch von den neu vorgelegten Eckpunkten zur Digitalisierungsstrategie. Das Papier schweige sich darüber aus, wer wann wie was tun solle.