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Pressemitteilungen

DKG Führungswechsel – DGIV Vorstandsmitglied Prof. Dr. Henriette Neumeyer übernimmt Präsidentschaft der EKG

DKG ZUM FÜHRUNGSWECHSEL BEI HOPE

Henriette Neumeyer übernimmt Präsidentschaft der Europäischen Krankenhausgesellschaft

28.05.2026

Die stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Prof. Dr. Henriette Neumeyer, wird in den kommenden drei Jahren Präsidentin der Europäischen Krankenhausgesellschaft HOPE sein. Der Vorstand von HOPE wählte die Medizinerin auf seiner Sitzung in Lissabon einstimmig in das Amt. Zur Vizepräsidentin wurde die Spanierin Pilar Aparicio gewählt. Neumeyer war seit Juni 2025 Vizepräsidentin des Verbandes.

„Als Vertreterin der deutschen Krankenhäuser bin ich dankbar für das Vertrauen, das die Krankenhausvertretungen aus Europa mir ausgesprochen haben. Meinem Vorgänger Eamonn Fitzgerald aus Irland, dem HOPE-Vorstand und der HOPE-Geschäftsstelle danke ich für die sehr gute Vorarbeit. Ich freue mich auf die Tätigkeit in den kommenden Jahren, auch mit meiner spanischen Kollegin.  Wir sehen aber natürlich auch die große Verantwortung, die diese Aufgabe mit sich bringt“, erklärte Neumeyer nach ihrer Wahl.

Mit Blick auf die aktuellen Herausforderungen in Europa betonte Neumeyer die zentrale Rolle der Krankenhäuser für Gesellschaft und Demokratie: „Wir befinden uns  in extrem herausfordernden Zeiten – wirtschaftlich, aber auch sicherheitspolitisch und in den Fragen unserer Demokratie. Gerade da ist es wichtig, den Wert der Krankenhäuser deutlich herauszustellen. Wir sind Anker der Daseinsvorsorge, wir sind Stabilisatoren in kleinen, aber auch in großen Krisen. Und wir sind auch eine Institution, die das Vertrauen in Staat und Demokratie stärken kann.“

Im Zusammenhang mit den Verhandlungen zum mehrjährigen Finanzrahmen der Europäischen Union für die Jahre 2028 bis 2034 mahnte Neumeyer an, die Krankenhäuser stärker zu berücksichtigen. „Gerade die Fragen der Resilienz spielen hier eine große Rolle. Wir erinnern uns alle an die Corona-Pandemie. Sie hat beispielhaft gezeigt, wie wichtig Klinikinfrastrukturen sind, aber auch europäische Förderprogramme, um auf Versorgungskrisen und Lieferengpässe bei Arzneimitteln und Medizinprodukten reagieren zu können. Und weiterhin stehen wir unter den Auswirkungen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine. Wir müssen auf solche Krisen gut vorbereitet sein – und das müssen wir im europäischen Finanzrahmen auch abbilden.“

Aus Sicht Neumeyers muss die nachhaltige und sichere Finanzierung der Kliniken auf den unterschiedlichen Ebenen gesichert werden. „Krankenhäuser schaffen ökonomische Werte, sichern Versorgung und stiften Vertrauen in die Handlungsfähigkeit des Staates. Sie müssen deswegen auch adäquat finanziert werden. Wer von uns fordert, dass wir hochwertige Medizin leisten, innovativ sind und krisenfest bleiben, der muss diese Aufgaben auch verlässlich finanzieren“, stellte Neumeyer heraus. Dies gelte sowohl für die europäische Finanzarchitektur als auch für die nationalen Haushalte der Mitgliedstaaten. „Wir sehen gerade in der nationalen Debatte in Deutschland, welche dramatischen Auswirkungen Einsparüberlegungen auf die Versorgung haben können.“

Als weitere zentrale Themen ihrer Amtszeit nannte Neumeyer die Fachkräftesicherung und die Digitalisierung. Bei der Gewinnung und Sicherung von Fachkräften komme es auf gute Arbeitsbedingungen, starke Aus- und Weiterbildung sowie erleichterte Arbeits- und Anerkennungsverfahren an. Ebenso wichtig seien faire internationale Partnerschaften. Dazu gehörten auch europäisch abgestimmte Krankenhauspartnerschaften und auf ethischen Grundsätzen basierende Abkommen mit Drittstaaten.

Mit Blick auf die Digitalisierung hob Neumeyer die Bedeutung des europäischen Gesundheitsdatenraums hervor. Dieser habe bereits eine wichtige Grundlage geschaffen, um Versorgung, Forschung und Krisenvorsorge in Europas Krankenhäusern zu stärken. „Einheitliche digitale Standards und ein sicherer Datenaustausch können die Patientenversorgung verbessern. Sie können aber auch Innovationen und Geschäftsmodelle aus der EU heraus fördern und nicht zuletzt den Klinikalltag effizienter machen.“ Krankenhäuser müssten dabei besonders berücksichtigt werden, so Neumeyer weiter: „Sie sind Orte, an denen viele Daten gesammelt werden. Diese Daten können durch die medizinische Expertise so genutzt werden, dass sie einen großen Mehrwert für die Weiterentwicklung der Versorgung, aber auch für die Prävention schaffen. Hier gilt es anzusetzen.“

HOPE

Die Europäischen Krankenhausgesellschaft HOPE (European Hospital and Healthcare Federation) vertritt die Interessen der Krankenhäuser auf der europäischen Ebene. Mitglieder sind Krankenhausgesellschaften und Organisationen, die für den Krankenhaussektor zuständig sind (etwa nationale Gesundheitsministerien). HOPE hat Mitglieder in allen 27 EU-Mitgliedstaaten sowie im Vereinigten Königreich, Serbien und der Schweiz.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) ist der Dachverband der Krankenhausträger in Deutschland. Sie vertritt die Interessen der 28 Mitglieder – 16 Landesverbände und 12 Spitzenverbände – in der Bundes- und EU-Politik und nimmt ihr gesetzlich übertragene Aufgaben wahr. Die 1.874 Krankenhäuser versorgen jährlich 17 Millionen stationäre Patienten und rund 23 Millionen ambulante Behandlungsfälle mit 1,4 Millionen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern (2024). Bei 141 Milliarden Euro Jahresumsatz in deutschen Krankenhäusern handelt die DKG für einen maßgeblichen Wirtschaftsfaktor im Gesundheitswesen.

DKG (Deutsche Krankenhausgesellschaft) sagt Sommerempfang ab: „Es gibt keinen Grund zum Feiern“

Der traditionelle Sommerempfang der Deutschen Krankenhausgesellschaft findet in diesem Jahr nicht statt. Diese Entscheidung haben wir sehr bewusst getroffen. Denn es gibt derzeit keinen Anlass für unbeschwerte Begegnungen oder festliche Abende. – Dr. Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der DKG.

Der Sommerempfang der DKG hat sich in den vergangenen Jahren zu einem festen Termin im politischen Berlin entwickelt. In offener Atmosphäre kamen Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Selbstverwaltung und Gesundheitswesen zusammen. Der Austausch stand im Mittelpunkt – gerade auch in schwierigen Zeiten. Doch die aktuelle Lage der Krankenhäuser überschattet inzwischen alles.

Mit dem GKV-Spargesetz hat die Bundesregierung den Krankenhäusern milliardenschwere Kürzungen auferlegt. Für viele Kliniken verschärft sich damit eine wirtschaftliche Situation, die bereits heute existenzbedrohend ist. Kaum ein Krankenhaus arbeitet noch kostendeckend. Zahlreiche Einrichtungen sind auf Zuschüsse ihrer Träger angewiesen, Investitionen werden verschoben, dringend benötigte Modernisierungen gestoppt. Selbst die Finanzierung tariflicher Lohnsteigerungen für die Beschäftigten ist nicht gesichert. In manchen Häusern stehen inzwischen sogar Stellenabbau und Leistungseinschränkungen im Raum.

In einer solchen Situation wäre ein Sommerempfang das falsche Signal. Die DKG finanziert sich aus Beiträgen der Krankenhäuser – und damit letztlich aus den Mitteln der gesetzlich Versicherten. Es wäre weder unseren Mitgliedern noch den Beschäftigten in den Kliniken vermittelbar, gleichzeitig zu Einsparungen gezwungen zu werden und dennoch zu einem festlichen Empfang einzuladen.

Das GKV-Spargesetz hat jede Feierlaune in den Krankenhäusern beendet. Nach aktuellen Prognosen wird in den kommenden Jahren die Hälfte der Kliniken stark insolvenzgefährdet sein. Die Kürzungen treffen insbesondere die stationäre Versorgung und belasten damit nicht nur die Kliniken, sondern auch die Patientinnen und Patienten unmittelbar. Statt nachhaltiger Strukturreformen und echter Effizienzsteigerungen setzt die Bundesregierung vor allem auf pauschale Kürzungen. Damit werden notwendige Reformen vertagt und die Finanzprobleme der gesetzlichen Krankenversicherung einseitig zulasten der Krankenhäuser gelöst.

Die kommenden Monate werden deshalb von Protesten, öffentlichen Aktionen und intensiven politischen Gesprächen geprägt sein. Wir appellieren insbesondere an die Mitglieder des Deutschen Bundestages, sich für Korrekturen am Gesetz einzusetzen – im Interesse einer sicheren und flächendeckenden Versorgung in ihren Wahlkreisen.

Wenn die Politik wieder verlässliche Rahmenbedingungen schafft und die Krankenhäuser eine echte Perspektive erhalten, wird es auch wieder Raum für Begegnung, Austausch und Zuversicht geben. Dann wird die DKG auch wieder einen Sommerempfang veranstalten können – und einen Anlass haben, gemeinsam zu feiern.

BVASK Pressemitteilung | Patientenversorgung

Auf dem Rücken der Patienten: Warken plant Kürzungen bei ambulanten Operationen
 
Niedergelassene Operateure, sollen nur noch begrenzte Mengen operieren und Abschläge beim Honorar hinnehmen. Die Ausgaben sollen dauerhaft auf dem Niveau des Jahres 2025 eingefroren werden. Das geht aus dem Entwurf des Spargesetzes der Bundesregierung hervor, das am 29. April im Kabinett beschlossen werden soll. Damit wird die Ambulantisierung radikal ausgebremst, die Kosten in die Höhe getrieben und Patienten drohen längere Wartezeiten bei notwendigen Operationen.
In Deutschland gibt es ein weltweit einzigartiges Netz aus Tageskliniken und Praxiskliniken, in denen von niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten ambulante Operationen durchgeführt werden.
Längst ist wissenschaftlich erwiesen, dass ambulante Operationen weniger Komplikationen haben als Krankenhausoperationen. Insbesondere Infektionen mit gefürchteten Krankenhauskeimen können verhindert werden. In Deutschland dürfen nur niedergelassene Fachärzte ambulant operieren, die besondere Qualifikationen vorweisen, welche regelmäßig überprüft werden.
Gerade minimal-invasive Operationen, wie arthroskopische Gelenkoperationen, eignen sich für eine Tagesklinik. Die Zahlen sprechen für sich: Seit 2019 ist die Anzahl der Arthroskopien in Krankenhäusern um 30% zurückgegangen. Im gleichen Zeitraum haben niedergelassene Ärztinnen und Ärzte 10% mehr arthroskopische Operationen durchgeführt. Eigentlich genau, wie es sein soll und wie im Sozialgesetz gefordert:
Ambulant vor stationär!
Geht es nach der Gesundheitsministerin, soll damit nun Schluss sein. Niedergelassene Operateure, die teilweise mit eigenem Geld OP-Zentren gebaut haben und diese mit Ihren Mitarbeiterteams betreiben, sollen nur noch begrenzte Mengen operieren und Abschläge beim Honorar hinnehmen. Die Ausgaben sollen dauerhaft auf dem Niveau des Jahres 2025 eingefroren werden.
Damit wird eines der wichtigsten Transformationsprozesse im deutschen Gesundheitswesen, die Ambulantisierung unnötig stationär erbrachter Operationen, ausgebremst. Was als Sparprogramm gedacht ist, kann sich als Bumerang erweisen. Fachleute erwarten, dass damit die Anzahl von Krankenhausoperationen wieder steigt und am Ende mehr sogar mehr Kosten im Gesundheitssystem entstehen.
Für die medizinische Versorgung bedeuten diese Pläne einen großen Rückschritt. Die Gesundheitswirtschaft wird zur Planwirtschaft. Für die Patientinnen und Patienten drohen längere Wartezeiten bei notwendigen Operationen. Eine schlechte Nachricht auch für die Arbeitgeber: Patienten, die auf eine OP warten, sind häufig krankgeschrieben.
 
Der Berufsverband für Arthroskopie fordert daher die Bundesregierung auf: Führen Sie keine Begrenzung von ambulanten Operationen ein. Im Gegenteil: Fördern Sie diese Leistungen, um mehr unnötige Krankenhausoperationen zu vermeiden.
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Pressemitteilung: DGIV kritisiert Kürzung des Innovationsfonds im Entwurf zum Beitragssatzstabilisierungsgesetz

„Jetzt das einzige Innovationsinstrument der GKV zu beschneiden, ist ein Fehler“

DGIV kritisiert Kürzung des Innovationsfonds im Entwurf zum Beitragssatzstabilisierungsgesetz

Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Integrierte Versorgung im Gesundheitswesen e. V. (DGIV) kritisiert die Kürzung der Mittel zum Innovationsfonds im Referentenentwurf zum GKV Beitragssatzstabilisierungsgesetz. „Wir erkennen die Not des Gesetzgebers, kurzfristig für eine Stabilität der Beitragssätze in der Gesetzlichen Krankenversicherung sorgen zu müssen“, so der DGIV-Vorstandsvorsitzende, Prof. Dr. mult. Eckhard Nagel, „trotzdem ist es aus unserer Sicht ein Fehler, ausgerechnet die Mittel des Innovationsfonds weiter zu beschneiden.“ Mit nun 100 Mio. Euro wende damit das deutsche Gesundheitssystem nur noch 0,03 Prozent seines Gesamtetats für Erforschung und Weiterentwicklung seiner Strukturen auf. „Man stelle sich vor, ein Unternehmen würde nahezu nichts in seinen F&E-Etat einstellen – der gesamte Unternehmensvorstand könnte dann bei der nächsten Hauptversammlung seinen Hut nehmen“, so die Analogie Nagels.

Richtig sei, dass der Innovationsfonds nach wie vor Schwierigkeiten habe, positiv evaluierte Projekte dann tatsächlich in die Regelversorgung zu überführen. „Der eigentliche Skandal ist also nicht nur die jetzt geplante Kürzung der Mittel, sondern die Tatsache, dass viel gute und gut bewertete Projekte auch mehrere Jahre nach ihrer positiven Evaluierung noch immer in den Schubladen des Innofonds-Archivs schlummern. Die Menschen, die sich mit viel Einsatz dem Aufbau neuer Strukturansätze in der Versorgung zugewandt haben, mussten sich zwischenzeitlich längst anderen Projekten zuwenden oder verbrennen weiter ihre innovativen Potentiale in den inflexiblen Strukturen der Regelversorgung“. Dazu gehörten auch viele Mitglieder der DGIV, so der Verbandsvorsitzende.

Völlig unverständlich sei die jetzt getroffene Entscheidung des Gesetzgebers und der ihr zugrunde liegende Vorschlag der GKV FinanzKommission vor dem Hintergrund, dass die Kommission ja explizit den Auftrag habe, in einem zweiten Gutachten im Herbst Vorschläge für eine Effizienzsteigerung der GKV-Strukturen zu entwickeln. „Das einzige Instrument, dass den Versorgungsakteuren gegeben wurde, um aus ihrer praktischen Versorgungserfahrung Verbesserungskonzepte für die strukturelle Weiterentwicklung unseres Gesundheitssystems zu entwickeln, wird ihnen jetzt wieder aus der Hand genommen“, analysiert Prof. Nagel, der zugleich auf die Signalwirkung für die innovativen Potentiale aufmerksam macht: „Das ist wirklich bitter und – neben einer weiterhin überbordenden Kontrollbürokratie – ein neuerlicher massiver Dämpfer für die an sich hohe intrinsische Motivation der Versorgungsprofis, unser Gesundheitssystem patientenorientierter und effizienter zu gestalten.“

Ein ganz anderer Ansatz wäre stattdessen notwendig gewesen, so die Überzeugung des DGIV-Vorsitzenden: „Ich hätte unter den kurzfristigen Sparvorgaben des ersten Gutachtens der FinanzKommission den Innovationsfonds gar nicht angefasst, sondern ihn vielmehr im zweiten Gutachten, das ja explizit die Systemstrukturen in den Fokus nehmen soll, umso genauer beleuchtet, um endlich suffizient die Frage zu klären, warum buchstäblich Dutzende gut evaluierter Projekte mit einem Aufwand von hunderten Millionen von Euro noch immer in genau jenen Systemstrukturen zerrieben werden, die sich eigentlich um ihre rasche und erfolgreiche Implementierung kümmern sollten“, so Nagels Forderung. Aufgabe der in zwei Schritten beauftragten Kommission hätte also sein müssen, nicht im ersten Teil den Innovationsfonds mit der Sense zu beschneiden, sondern ihm vielmehr im zweiten Kommissionsgutachten zu einem echten Durchbruch zu verhelfen. „Einmal mehr zerreiben wir aber jetzt in altem Obrigkeitsdenken die Erkenntnisse und den intrinsischen Willen der Akteure für eine wirkungsvolle Systemerneuerung“, so das bittere Resümee des DGIV-Vorsitzenden.

DGIV e.V.

PM Beitragssatzstabilisierungsgesetz

Pressemitteilung: DGIV nimmt Stellung zu den Vorschlägen der GKV FinanzKommission

„Die echten Reserven liegen zwischen den Sektoren und in der Prävention“

Nach eingehender Analyse hat die Deutsche Gesellschaft für Integrierte Versorgung im Gesundheitswesen e. V. (DGIV) sich zum ersten ausführlichen Teil der Reformvorschläge der GKV FinanzKommission geäußert. „Die detaillierte Arbeit der Kommissionsmitglieder ist in jedem Fall anzuerkennen und zu loben“, so der DGIV-Vor- standsvorsitzende, Prof. Dr. mult. Eckhard Nagel. Es sei bewundernswert, mit welcher Akribie die Kommission gewissermaßen jeden Stein im aktuellen Versorgungsgeschehen umgedreht und auf seine aktuelle Systemeffizi- enz hin beleuchtet habe. Dass dabei der Arbeitsauftrag des Ministeriums ausdrücklich auf schnelle Umsetzbarkeit der einzelnen vorgeschlagenen Schritte fokussiere, sei aber gleichzeitig auch das größte Defizit der jetzt umfäng- lich vorgelegten Vorschläge: „Mit dem Ansatz der kurzfristigen Umsetzbarkeit lassen sich grundlegende System- reserven, die in der Verknüpfung und in der integrierten Zusammenschau der einzelnen Versorgungsbereiche lie- gen, nicht heben“, so die Kritik Nagels.

Zwar sei beeindruckend, was die Kommission allein in der isolierten Betrachtung der jeweiligen Versorgungsbe- reiche und Kostenblöcke bereits zusammengetragen habe, eine grundsätzlich bessere und effizientere Versorgung lasse sich jedoch aus dieser „Controller-Perspektive“ nicht gewinnen. „Ich sehe das Dilemma der Kommissions- mitglieder, hätte mir aber vom Ministerium auch für diesen ersten Arbeitsauftrag mehr Weitsicht und mehr kre- ative Beinfreiheit in der Kommissionsarbeit gewünscht“, erläutert der DGIV-Vorstandsvorsitzende. Stattdessen werde der Bedarf für echte Strukturreformen immer dramatischer. „Wir zerreiben unsere finanziellen Mittel in erster Linie nicht innerhalb der einzelnen Versorgungsbereiche, sondern zwischen den Sektoren. Daher sehen wir auch die erneute Absenkung der Zuweisungen an den Innovationsfonds ganz besonders kritisch“, so Nagel, der in diesem Zusammenhang auf die grundsätzlich neuen Versorgungsansätze der DGIV und ihrer Mitglieder verwies.

Als problematisch und unnötig kurzsichtig bewertet der DGIV-Vorsitzende auch die Überlegungen der Kommission zur Prävention: „Die Erhebung von zusätzlichen Steuern auf Tabak, Alkohol und zuckerhaltige Getränke ist zu- nächst einmal noch keine kreative Präventionsidee, sondern in erster Linie schnelles Geld für den GKV-Reparatur- betrieb“, argumentiert der Transplantationsmediziner. „Ich hätte mir gewünscht, dass sich die Kommission in die- sem Punkt mehr Zeit gelassen hätte, um ein wirklich umfassendes, integriert gedachtes und grundsätzliches Prä- ventionspaket zu schnüren“, so der DGIV-Vorsitzende.

Allerdings liege die Hauptverantwortung für die finanziell kritische Situation der Gesetzlichen Krankenversiche- rung noch immer bei der Politik und ließe sich tatsächlich rasch korrigieren: „Die auskömmliche Finanzierung der Bürgergeld- bzw. Grundsicherungsbezieher bleibt nach wie vor eine Verantwortung der gegenwärtigen Regie- rungskoalition, und ich freue mich, dass auch die Kommission diese politische Verantwortung einmal mehr deut- lich beim Namen nennt“, so Nagel. „Es muss ein Ende haben, dass hier staatliche Aufgaben auf die Solidargemein- schaft abgewälzt werden, dann hätten wir auch Luft für längerfristige Reformperspektiven!“ Insgesamt jedoch habe die FinanzKommission mit ihrem ersten Aufschlag in jedem Fall den Beginn einer umfassenden Reformdis- kussion eingeleitet, die jetzt schnellstens und mit weiterführenden Strukturreformen vorangetrieben werden müsse. „Der Anfang ist gemacht“, so Nagel. Die DGIV und ihre Mitglieder stünden jederzeit bereit, um hier aus ihrer mehr als 20-jährigen Erfahrung für die weiteren Reformschritte praktische Hilfestellung zu geben.

PM FinanzKommission

 

Pressemitteilung: DGIV diskutiert „Gesundheit vor Ort“ auf dem 22. Bundeskongress in Berlin

Berlin – Am 26. März fand der 22. Bundeskongress der Deutschen Gesellschaft für Integrierte Versorgung im Gesundheitswesen e. V. (DGIV) in Berlin statt. Unter dem Leitmotiv „Gesundheit vor Ort – integriert, interprofessionell, partizipativ“ diskutierten Akteurinnen und Akteure aus Politik, Versorgungspraxis, Wissenschaft, Selbstverwaltung und Gesundheitswirtschaft im Hotel Aquino zentrale Fragen einer zukunftsfähigen, regional verankerten Gesundheitsversorgung.

Im Mittelpunkt des Kongresses standen insbesondere Partizipation und Regionalität als zentrale Kriterien einer leistungs- und innovationsfähigen Versorgung. In den Beiträgen und Diskussionen mit Beteiligten aus Bundes- und Landespolitik und aus der Selbstverwaltung wurde deutlich, dass eine bedarfsgerechte Versorgung vor Ort künftig nur gelingen kann, wenn regionale Strukturen stärker berücksichtigt, unterschiedliche Bedarfe ernst genommen und die Perspektiven von Patientinnen und Patienten sowie Bürgerinnen und Bürgern systematisch einbezogen werden. Zugleich wurde hervorgehoben, dass sektorenübergreifende Zusammenarbeit, interprofessionelle Kooperation und regionale Gestaltungsspielräume entscheidend sind, um Versorgung nachhaltig weiterzuentwickeln.

„Partizipation ist für uns kein Trendthema und keine Begleiterscheinung. Sie muss ernst genommen werden. Denn nur dort, wo Verantwortung gemeinsam getragen und Veränderungen im Dialog gestaltet werden, können strukturelle Maßnahmen langfristig Akzeptanz finden“, erklärt Prof. Dr. mult. Eckhard Nagel, Vorstandsvorsitzender der DGIV. Es sei wichtig, nicht nur Bürgerinnen und Bürger einzubinden, sondern auch Leistungserbringer, Kostenträger, Kommunen und die Selbstverwaltung frühzeitig in Veränderungsprozesse einzubeziehen.

Im „5. DGIV-Bootcamp für Young Professionals und Studierende“ wurden diese Überzeugungen am Kongressvortag auch durch die Visionen und Erwartungen aus Sicht des Nachwuchses artikuliert. Die hohe intrinsische Motivation der kommenden Versorger-Generation dürfe nicht länger durch abstrakte und versorgungsferne Regulierungen zerrieben werden, so eine der Überzeugungen, die am Kongressvorabend auch in einem „Thesenslam“ der Nachwuchs-Profis und einem Thesenblatt am Kongresstag selbst unterstrichen wurde. Versorgung müsse sich daher am Patientenbedarf orientieren und sowohl professionelle als auch bürgerschaftliche Partizipation vor Ort zulassen, um so langfristig für alle Beteiligten tragfähig, aber auch wandelbar zu sein, so die Forderung der Young-Professionals und Studierenden. Kollektive kommunale Netzwerke könnten hier ein möglicher Weg der Ausgestaltung sein.

Der DGIV-Bundeskongress machte damit aus verschiedenen Perspektiven deutlich, dass die Weiterentwicklung des Gesundheitswesens nicht allein durch Reformen auf Bundesebene erreicht werden kann. Gefragt sind vielmehr tragfähige Lösungen vor Ort, die sich an regionalen Bedarfen orientieren, Verantwortung zwischen den Akteuren verbinden und Partizipation nicht als Zusatz, sondern als integralen Bestandteil guter Versorgung begreifen. „Wir haben in Berlin einen sehr starken Kongress erlebt, der deutlich gemacht hat: Gute Versorgung entsteht nicht abstrakt, sondern vor Ort – im Zusammenspiel von Professionen, Institutionen und den Menschen, um die es geht“, so Prof. Eckhard Nagel abschließend.

https://dgiv.org/wp-content/uploads/2026/03/PM-Bundeskongress-26.03.2026.pdf

Pressemitteilung: DGIV und Hashtag Gesundheit vereinbaren Kooperation

Die Deutsche Gesellschaft für Integrierte Versorgung im Gesundheitswesen e. V. (DGIV) und Hashtag Gesundheit e. V. wollen künftig enger zusammenarbeiten, um interprofessionellen Austausch, sektorenübergreifendes Denken und die aktive Einbindung junger Perspektiven in die Weiterentwicklung des Gesundheitswesens zu stärken.

Hashtag Gesundheit ist ein interdisziplinäres Netzwerk für junge Menschen im Gesundheitswesen, das interprofessionelle Zusammenarbeit fördert und sich für innovative Lösungen, Chancengleichheit und Solidarität im Gesundheitssektor einsetzt. Der Verein verfolgt das Ziel, Kooperationen zu stärken, veraltete Strukturen aufzubrechen und ein zukunftsorientiertes Gesundheitswesen aktiv mitzugestalten. Damit bestehen enge inhaltliche Schnittmengen zur DGIV, die sich seit vielen Jahren für eine integrierte, patientenorientierte und sektorenübergreifende Versorgung einsetzt.

Ein erster konkreter Bestandteil der Kooperation ist die Partnerschaft von Hashtag Gesundheit beim DGIV-Bootcamp für Young Professionals im Vorfeld des DGIV-Kongresses. Über die konkrete Partnerschaft hinaus wollen beide Organisationen künftig in gemeinsamen Formaten zusammenarbeiten, ihre Netzwerke enger verzahnen und den Austausch zu relevanten gesundheitspolitischen und versorgungsbezogenen Themen fördern. Auf diese Weise werden die Organisationen enger miteinander verbunden und der Austausch über zentrale Fragen der integrierten Versorgung gezielt gestärkt.

Prof. Dr. mult. Eckhard Nagel, Vorstandsvorsitzender der DGIV, erklärt: „Wer das Gesundheitswesen zukunftsfähig gestalten will, muss junge Menschen frühzeitig einbinden, interprofessionelle Perspektiven zusammenführen und Versorgung über Berufs- und Sektorengrenzen hinweg denken. Hashtag Gesundheit setzt genau an dieser Stelle an. Wir freuen uns daher sehr über die Kooperation, da sie den Austausch zwischen engagierten Nachwuchskräften und den Fragen einer tragfähigen integrierten Versorgung nachhaltig stärkt.“

Auch für Hashtag Gesundheit ist die Zusammenarbeit mit einem klaren Anspruch verbunden. Dazu Gina Steinherr, Vorstand Veranstaltungen bei Hashtag Gesundheit: „Wir sind überzeugt: Ein zukunftsfähiges Gesundheitswesen entsteht dort, wo vielfältige Perspektiven Gehör finden, und interprofessionelle Zusammenarbeit gelebt wird. Die Kooperation mit der DGIV ist für uns ein starkes Signal, den generationenübergreifenden und intersektoralen Austausch weiter zu fördern und Verantwortung im Gesundheitswesen gemeinsam zu tragen.“

Mit der Kooperation wollen die DGIV und Hashtag Gesundheit den Austausch über Berufsgruppen, Generationen und Sektorengrenzen hinweg stärken und neue Impulse für den gesundheitspolitischen Nachwuchs setzen.

Weitere Informationen zum DGIV-Bootcamp und zum 22. DGIV-Bundeskongress unter: https://dgiv.org/veranstaltung/5-dgiv-bootcamp-2026/ und https://dgiv.org/veranstaltung/22-dgiv-bundeskongress-am-26-maerz-2026-in-berlin/

PM DGIV : Hashtag Gesundheit

DGIV e.V.

Pressemitteilung: DGIV legt Positionspapier zur Primärversorgung vor

„Ziel muss es sein, die gesamte ambulante Versorgung systematisch zu strukturieren“

Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Integrierte Versorgung im Gesundheitswesen e.V. (DGIV) hat ein Positionspapier zur Weiterentwicklung der Primärversorgung in Deutschland vorgelegt. Kern des Papiers ist die Forderung nach einer verbindlichen, standardisierten und digital gestützten Ersteinschätzung des Behandlungsbedarfs, um Patientinnen und Patienten künftig gezielter durch das Gesundheitssystem zu führen. Nach Überzeugung der DGIV erschweren es fragmentierte Versorgungsebenen und unkoordinierte Behandlungswege zunehmend, Patientinnen und Patienten effizient und bedarfsgerecht durch das Gesundheitssystem zu begleiten.

Das vom DGIV-Vorstand um Vorstandsmitglied Corinna Beutel federführend erarbeitete Positionspapier skizziert vor diesem Hintergrund konkrete Ansatzpunkte für eine stärker koordinierte Primärversorgung. „Die Diskussion über Primärversorgung wird in Deutschland häufig auf ein Primärarztmodell verkürzt“, so Corinna Beutel. „Tatsächlich geht es uns jedoch um eine bessere Koordination der Versorgung insgesamt – also um klare Zugangsstrukturen, interprofessionelle Teams und eine systematische Steuerung der Patientenwege.“ Daher müsse die Primärversorgung als interprofessionelle Aufgabe verstanden werden, bei der verschiedene Gesundheitsberufe gemeinsam Verantwortung für den ersten Zugang zur Versorgung übernehmen.

Entscheidend sei dabei eine digitale Ersteinschätzung, die unabhängig vom gewählten Zugangsweg nach einheitlichen Standards erfolgt und Patientinnen und Patienten nach denselben Kriterien in die passende Versorgungsebene steuert. Ergänzend schlägt das Papier vor, verfügbare Behandlungskapazitäten stärker zu bündeln und in einen gemeinsamen Terminpool zu überführen, um eine koordinierte Terminvergabe zu ermöglichen.

Neben der Strukturierung des Zugangs zur Versorgung betont der DGIV-Vorstand in seinem Papier die Bedeutung einer strukturierten Behandlungskontinuität. Klare und verbindliche Übergänge in die fachärztliche Weiterbehandlung sollen sicherstellen, dass Patientinnen und Patienten auch bei komplexeren Krankheitsverläufen koordiniert durch verschiedene Versorgungsebenen begleitet werden. Die freie Arztwahl soll dabei grundsätzlich erhalten bleiben. Anders als in einigen internationalen Modellen, in denen Patientinnen und Patienten automatisch einem Primärarzt- oder Gesundheitszentrum zugewiesen werden, plädiert die DGIV weiterhin für eine freie Arztwahl auf der Grundlage standardisiert geführter Prozesse.

Ausdrücklich betont die DGIV darüber hinaus die Bedeutung regionaler Gestaltungsspielräume. „Unterschiedliche Versorgungsrealitäten in Ballungsräumen und ländlichen Regionen erfordern flexible Modelle der Primärversorgung“, so Beutel. Eine zentrale Rolle komme dabei den Kassenärztlichen Vereinigungen zu, die im Rahmen ihres Sicherstellungsauftrags maßgeblich an der regionalen Versorgungsplanung beteiligt sind. Die Weiterentwicklung der Primärversorgung müsse zudem eng mit der Reform der Notfallversorgung zusammengedacht werden.

„Die Diskussion über Primärversorgung zeigt sehr deutlich, dass wir das Gesundheitssystem stärker vom Bedarf der Patientinnen und Patienten her denken müssen“, erklärt Prof. Eckhard Nagel, Vorstandsvorsitzender der DGIV. „Es geht nicht darum, Zugänge zu beschränken, sondern Versorgung besser zu koordinieren. Eine gut organisierte Primär- und Anschlussversorgung kann dazu beitragen, Ressourcen gezielter einzusetzen und gleichzeitig die Versorgungsqualität zu verbessern.“

Das vollständige Positionspapier „DGIV-Positionen zur Primärversorgung“ ist ab sofort auf der Website der DGIV verfügbar unter: DGIV-PositionPrimärversorgung

DGIV e.V.                                                                                 

Fünfte Podcast-Folge der DGIV mit Prof. Eckhard Nagel zur Zukunft der Integrierten Versorgung

„Wenn jeder nur das Beste für sich herausholen will, fährt das System an die Wand“

 

Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Integrierte Versorgung im Gesundheitswesen e. V. (DGIV) hat eine neue

Folge ihres Podcasts „Versorgung integriert!“ veröffentlicht. Nach Episoden zur Sektorentrennung, zu den Gesundheitsfachberufen,

zur digitalen Prävention und zur regionalen Versorgung widmet sich die aktuelle Ausgabe

den strukturellen Reformblockaden im Gesundheitssystem und den Herausforderungen der laufenden Legislaturperiode.

Gesprächspartner ist Prof. Dr. mult. Eckhard Nagel, Vorstandsvorsitzender der DGIV. Er diskutiert mit dem Geschäftsführenden

DGIV-Vorstandsmitglied Dr. Albrecht Kloepfer über die Frage, warum Deutschland trotz zahlreicher

Gutachten, Expertenkommissionen und Reformgesetze nicht schnell genug vorankommt.

Prof. Nagel macht im Podcast deutlich, dass sich strukturelle Defizite zunehmend konkret in der Versorgung vor

Ort auswirken. Die Brüche in der Versorgung und der Fachkräftemangel seien inzwischen deutlich spürbar – für

Patientinnen und Patienten ebenso wie für Leistungserbringer. Reformverzögerungen seien keine technische Detailfrage,

sondern gefährdeten reale Strukturen: „Wir haben an der Stelle nicht wirklich Zeit, Dinge ins nächste

oder übern.chste Jahr zu verschieben.“

Zentraler Diskussionspunkt ist die Rolle der Selbstverwaltung. Diese sei historisch gewachsen, müsse ihr Selbstverständnis

jedoch dahingehend weiterentwickeln, den strukturellen Wandel zu begleiten. Interessenvertretung

dürfe nicht in der Sicherung einzelner Besitzstände verharren. „Wenn Interessensvertretung nur das Beste für die

eigene Gruppe herausholen will, dann fährt das ganze System an die Wand“, betont Prof. Nagel.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der regionalen Perspektive. Nach Prof. Nagels Einschätzung funktionieren

Lösungen dort besser, wo Nähe zur Versorgungsrealität besteht: „Meine Beobachtung ist, dass das regional besser

klappt als auf Bundesebene.“ Unterschiedliche Ausgangslagen – Metropolregionen einerseits, ländliche Räume

andererseits – erforderten flexible Gestaltungsmöglichkeiten. „Vielmehr muss es darum gehen, so viele Freiheitsgrade

für die jeweiligen Regionen zu ermöglichen, dass sie dann auch tatsächlich in der Lage sind, Antworten zu

finden.“ Am Beispiel der Lausitz beschreibt Nagel den dort etablierten Innovations- und Netzwerkrat als gemeinsames

Steuerungsgremium von Universität, Selbstverwaltung, Krankenhäusern, Kassenärztlicher Vereinigung sowie

kommunalen Vertretern – mit dem Ziel, Versorgungsentwicklung verbindlich und abgestimmt voranzubringen.

Auch die bestehenden Finanzierungs- und Anreizstrukturen werden kritisch beleuchtet. Die sektoral getrennten

Logiken im SGB V behinderten vielfach integrierte Versorgungsansätze. „Gesundheitsökonomie ist ja keine gottgegebene

Struktur. Gesundheitsökonomische Strukturen sind gestaltbar. Wenn wir integrierte Versorgung wollen,

müssen wir auch die Anreizsysteme entsprechend ausrichten“, so Prof. Nagel. Der Gesetzgeber müsse Spielräume

eröffnen, damit regionale Lösungen nicht an starren Abrechnungsmechanismen scheiterten. Zudem brauche

es Reformen, die verlässliche Rahmenbedingungen für regionale Versorgungsmodelle schaffen. Entscheidend

seien klare Verordnungen, damit diese Modelle auch praktisch umgesetzt werden – zügig und nicht im Modus

kleinteiliger Einzelschritte.

Ein weiterer Akzent liegt auf der stärkeren Integration von Prävention in die Versorgung. Neue wissenschaftliche

Erkenntnisse – etwa zu Bewegung, Umweltfaktoren oder Früherkennung – machten deutlich, dass Prävention

strukturell mitgedacht werden müsse. „Medizinische Entwicklung steht an einer Abbruchkante“, stellt Prof. Nagel

fest. Wenn wir das vorhandene Wissen über vermeidbare Erkrankungen nicht in verbindliche Strukturen übersetzen,

verspielen wir gesundheitliche und gesellschaftliche Potenziale. Prävention müsse deshalb integraler Bestandteil

der Versorgung werden – mit klaren Verantwortlichkeiten, verlässlicher Finanzierung und einer stärkeren

Ausrichtung auf Verhältnisprävention anstatt Verhaltensprävention.

Die neue Folge des DGIV-Podcasts „Versorgung integriert!“ ist ab sofort verfügbar unter: https://dgiv.org/news/dgiv-podcasts/

Die Themen des Podcasts werden beim 22. DGIV-Bundeskongress am 26. März 2026 in Berlin vertieft diskutiert.

Weitere Information zum DGIV-Bundeskongress finden Sie unter folgendem Link:

https://dgiv.org/veranstaltungen/22. DGIV-Bundeskongress am 26. März 2026 in Berlin

DGIV diskutiert „Gesundheit vor Ort“ am 26. März auf dem 22. Bundeskongress in Berlin

Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Integrierte Versorgung im Gesundheitswesen e. V. (DGIV) lädt am 26. März 2026 zum 22. DGIV-Bundeskongress nach Berlin ein. Unter dem Leitmotiv „Gesundheit vor Ort – Integriert. Interprofessionell. Partizipativ.“ diskutieren Akteurinnen und Akteure aus Politik, Versorgungspraxis, Wissenschaft, Selbstverwaltung und Gesundheitswirtschaft im Hotel Aquino zentrale Fragen einer zukunftsfähigen, regional verankerten Gesundheitsversorgung.

Im Mittelpunkt des Kongresses steht die Frage, wie Gesundheitsversorgung stärker an den tatsächlichen Bedarfen der Menschen ausgerichtet und gemeinsam vor Ort gestaltet werden kann. Die DGIV setzt dabei bewusst auf einen Perspektivwechsel: weg von sektoralen Zuständigkeiten, hin zu den Bedürfnissen der Menschen in den Regionen. Partizipation wird dabei nicht als ergänzendes Instrument verstanden, sondern als zentrales Strukturprinzip integrierter Versorgung. Bürgerinnen und Bürger sowie Patientinnen und Patienten werden nicht nur adressiert, sondern als aktive Mitgestalter von Versorgungsstrukturen verstanden. Ohne ihre Perspektiven bleibt integrierte Versorgung unvollständig.

Der Bundeskongress greift zugleich die grundlegenden Herausforderungen des Gesundheitssystems auf – von fragmentierten Zuständigkeiten über Sektorengrenzen bis hin zu regionalen Versorgungsunterschieden. Diskutiert wird, wie integrierte Versorgung die strukturellen Probleme des Gesundheitssystems überwinden kann, wenn interprofessionelle Zusammenarbeit, kommunale Verantwortung, Partizipation und digitale Vernetzung konsequent zusammengedacht und umgesetzt werden. Ziel ist es, konkrete Lösungsansätze sichtbar zu machen und Wege in eine nachhaltige Umsetzung aufzuzeigen. Zahlreiche politische Gäste aus Bundes- und Landespolitik runden das Kongressprogramm ab.

Der DGIV-Vorstandsvorsitzende, Prof. Dr. Eckhard Nagel, unterstreicht die Bedeutung des Kongressthemas: „Partizipation eröffnet neue Perspektiven für integrierte Versorgung. Sie hilft, Bedarfe sichtbar zu machen und Versorgungsstrukturen passgenauer auszurichten. Integrierte Versorgung entsteht also nicht durch abstrakte Reformen, sondern nur durch gemeinsame Verantwortung vor Ort“, so Prof. Nagel. Nur so könnten tragfähige neue Strukturen entstehen.

Bereits am Vortag des Kongresses, am 25. März 2026, richtet die DGIV zum fünften Mal ihr traditionelles „Bootcamp für Young Professionals und Studierende“ aus. Im Rahmen des Bootcamps werden aktuelle Herausforderungen des Gesundheitssystems diskutiert und aus der Perspektive des professionellen Nachwuchses Thesen zu einem partizipativen Gesundheitssystem erarbeitet, die in die Diskussionen des Hauptkongresstages einfließen.

Ein besonderer Programmpunkt des diesjährigen Kongresses ist die erstmals durchgeführte Postersession. Sie bietet Raum für praxisnahe Projekte, wissenschaftliche Arbeiten und innovative Versorgungskonzepte und versteht sich ausdrücklich als partizipatives Format. Die vorgestellten Beiträge werden im direkten Austausch diskutiert. Ergänzend verleiht die DGIV einen mit 1.000 Euro dotierten Posterpreis, mit dem herausragende Ansätze zur integrierten und partizipativen Gesundheitsversorgung ausgezeichnet werden.

„Integrierte Versorgung ist eine Voraussetzung für zukunftsfähige Gesundheitsversorgung. Entscheidend ist, dass sie regional verantwortet, interprofessionell getragen und partizipativ gestaltet wird“, so Prof. Nagel zusammenfassend.

Weitere Informationen zum Bundeskongress der DGIV sowie zum Bootcamp und zur Postersession finden Sie unter: https://dgiv.org/veranstaltung/22-dgiv-bundeskongress-am-26-maerz-2026-in-berlin/

PM DGIV-Kongress 2026