Die Kraft der Regionen in der Primärversorgung nutzen – für mehr Qualität und Wirtschaftlichkeit
Gesundheits- und Pflegeversorgung sind Grundpfeiler für sozialen Zusammenhalt und Zukunftsfähigkeit. Doch Fachkräftemangel, demografischer Wandel und steigende Kosten setzen das System unter Druck. Regionale Unterschiede verschärfen die Lage. Auf der kommunalen und regionalen Ebene zeichnen sich Wege ab, um den Herausforderungen zu begegnen.
Zusammenarbeit als Schlüsselproblem
- Das System ist zu stark in Sektoren geteilt.
- Es fehlt an interprofessioneller Zusammenarbeit.
- Es entstehen Doppeluntersuchungen und unnötige Klinikaufenthalte.
- Besonders ländliche Regionen leiden unter Versorgungsengpässen.
- Chronisch Kranke und Pflegebedürftige brauchen koordinierte Betreuung.
Regionale Gemeinschaften setzen auf Vernetzung
Arzt-, Praxis-, Gesundheitsnetze und Gesundheitsregionen, in denen Ärzte, Kliniken, Pflege, Heilmittelerbringer, Kassen, Städte und Gemeinden, ggf. auch Pharma und Gesundheitstechnik patientenorientiert zusammenarbeiten, können:
- Versorgungslücken schließen,
- Abläufe effizienter gestalten,
- Prävention und Früherkennung zielgruppengerecht wirksam
- wohnortnahe Betreuung sichern.
Erfahrungen ’vor Ort‘ machen Mut …
Viele Projekte zeigen seit Jahren, dass Zusammenarbeit für Qualität und Wirtschaftlichkeit sorgt, wichtige Gestaltungsfelder dabei sind:
- integrierte Versorgung und Prävention,
- Case- und Care-Management,
- Telemedizin und digitale Plattformen,
- Ärzte- und Praxisnetze, Gesundheitszentren und neue Wohnformen.
… brauchen aber politischen Rückenwind
Trotz guter Ergebnisse scheiterten viele Modelle am fehlenden rechtlichen Rahmen, an mangelnden Mitteln und an einem schwachen politischen Rückhalt. Besonders schwierig ist der Weg von der (evidenzbasiert!) erfolgreichen Pilotierung in die breite Nutzung.
Leitgedanken dafür sind …
- Region als die Ebene für gesundheitliche und pflegerische Versorgung begreifen.
- Patientenorientierte Vernetzung entwickeln und erproben.
- Evidenzbasiert gelungene Lösungen verpflichtend in die Breite bringen
- Nicht nur Krankheit behandeln, sondern Prävention und Früherkennung stärken.
- Pflege und Altenhilfe sozialraumorientiert gestalten.
Konkrete gesetzgeberische Voraussetzungen sind zu schaffen…
… um die Region als Ebene für die gesundheitliche und pflegerische Versorgung zu verankern, insbesondere:
- Quorumsregelung: Positiv evaluierte Selektivverträge mit > 50 % Krankenkassenbeteiligung müssen für Versicherte aller KK in der Region geöffnet werden.
- Leuchttürme endlich in die Versorgung überführen: Positiv evaluierte Innovationsfondsprojekte sind grundsätzlich in die Regelversorgung zu übernehmen statt dies nur zu empfehlen; Ausnahmen oder zusätzliche Anforderungen kann der Innovationsausschuss begründet beschließen, eine Klagemöglichkeit dagegen ist einzuräumen.
- Die Akteure im Gesundheitswesen vor Ort können per Regionalbudgets definierte Versorgungsaufträge von den Krankenkassen erhalten und über ein populationsbezogenes Budget finanziert werden. Anstelle einer leistungsabhängigen Vergütung werden andere Steuerungselemente wie Mengen- / Qualitätsziele vereinbart und überprüft, um Versorgung und Wirtschaftlichkeit zu sichern. So entstehen Anreize für präventives Handeln, interprofessionelle Zusammenarbeit und arztergänzende Leistungen wie Fallmanagement.
Die Herausforderungen in der Gesundheits- und Pflegeversorgung sind groß – doch die Lösungen liegen nahe: in den Regionen. Hier treffen Menschen, Strukturen und Bedürfnisse direkt aufeinander. Wenn wir die Kraft der Region nutzen, Vernetzung fördern und erfolgreiche Modelle verlässlich in die Fläche bringen, gewinnen alle: Patientinnen erhalten mehr Qualität und Nähe, Fachkräfte erfahren Entlastung, und das System wird wirtschaftlicher und zukunftsfähiger.
Jetzt braucht es den politischen Mut, die Region als tragende Ebene der Primärversorgung verbindlich zu stärken!
Stand: 18.09.2025, Ein gemeinschaftlicher Appell der „Kleeblatt“- Verbände:
ADA | Bundesverband der Arzt-, Praxis- und Gesundheitsnetze e.V.
BMC | Bundesverband Managed Care e.V.
DGIV | Deutsche Gesellschaft für Integrierte Versorgung im Gesundheitswesen e.V.
NDGR | Netzwerk Deutsche GesundheitsRegionen e.V.
